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Pflanzenöl der umweltfreundliche Treibstoff: Umrüstung von Dieselfahrzeugen

Der grüne Tiger im Tank:
Pflanzenöl als Kraftfahrzeugtreibstoff

Wenn wir an der Tankstelle den Treibstoff aus dem Zapfhahn in den Tank fließen lassen, der markante Geruch in unsere Nase steigt, das monotone Geräusch der Pumpe sich mit dem Lärm der vorbeifahrenden Autos mischt: ist uns bewußt, daß diese Flüssigkeit, die "die Welt in Bewegung hält", denselben Ursprung hat, wie das Pflanzenöl, mit dem wir unser Schnitzel braten,  oder das wir über den Salat gießen?

Der blumige Abschied vom Erdöl: Pflanzenöl als umweltfreundlicher KFZ-Treibstoff Erdöl, Basis unserer Treibstoffe, Ausgangsstoff von einem Großteil der Produkte der chemischen Industrie, ist das Produkt von abgelagerter (großteils pflanzlicher) Biomasse, umgewandelt im Laufe von Jahrmillionen durch geophysische und chemische Prozesse. Dabei wurden riesige Mengen an CO² aus der Atmosphäre als Kohlenstoff im Erdöl gespeichert, sodaß der verbleibende Sauerstoff in der Atmosphäre erst die für uns wichtigen Lebensbedingungen schaffte. Jetzt sind wir dabei, diesen vor Millionen Jahren stattgefundenen Prozess umzukehren, den gespeicherten Kohlenstoff in die Atmosphäre zu blasen, den lebensnotwendigen Sauerstoff zu verbrauchen und dabei unseren Lebensraum für immer zu zerstören.

Ist es ein Zufall, daß ein Liter Pflanzenöl bei der Verbrennung etwa dieselbe Energiemenge ergibt, wie Dieselöl? Ist es daher nicht paradox, daß wir Menschen diesen im Inneren der Erde gespeicherten Rohstoff Erdöl unter enormem technischem Aufwand zu Tage fördern, ihn mit komplizierten chemischen Verfahren und großem Energieaufwand weiterverarbeiten, um die halbe Welt transportieren - wo wir doch den ursprünglichen Energieträger, die Pflanze, überall in reichlicher Fülle vorhanden haben? Immerhin lief der erste Dieselmotor mit Erdnußöl, weil Diesel noch unbekannt und Petroleum damals nur zu Apothekerpreisen zu haben war.

Ein Grund, warum Pflanzenöl lange Zeit nicht als KFZ-Treibstoff verwendet wurde, war billiges Erdöl mit einer entsprechenden Lobby dahinter. Erst nach den Energiekrisen in den 70er Jahren begann man umzudenken und wollte Pflanzenöl dem Motor anpassen, da Pflanzenöl für herkömmliche Dieselmotoren durch  seine Zähflüssigkeit und Zünd­unwilligkeit nicht direkt verwendet werden konnte.  Deshalb kam ja auch der Biodiesel auf, ein chemisch aufbereitetes Pflanzenöl (Fettsäure-Methylesther), das dünnflüssig und zündfreudig, aber auch gleichzeitig  giftig ist, dessen Herstellung außerdem mit beträchtlichem Energieaufwand verbunden ist.

Pflanzenölmotor: umweltfreundlich und ökonomisch.

Die Entwicklung des Pflanzenölmotors

Mittlerweile wurden für die Probleme mit der Dickflüssigkeit des Pflanzenöls, besonders beim Winterbetrieb, gute technische Lösungen gefunden. Schon in den späten siebziger Jahren präsentierte der bayerische Motorenbauer Ludwig Elsbett seinen ersten funktionsfähigen Pflanzenölmotor, der zur Serienreife entwickelt wurde. Für diesen Motor und weitere über 400 Patente zur Motortechnik und Verbrennungsoptimierung der Motoren erhielt der Pionier Ludwig Elsbett zusammen mit seinen beiden Söhnen Günter und Klaus dafür in den folgenden Jahren zahlreiche namhafte Preise - unter anderem den Philipp-Morris-Forschungspreis, sowie 1997 den europäischen Solarpreis.

Sonnenblumenöl: Der ökologische Treibstoff vom Bauernhof

Mehr Sicherheit und ökologische Vorteile

Der Ruß-Ausstoß ist bei der Pflanzenölverbrennung gegenüber der Dieselverbrennung erheblich reduziert. Es gibt weniger  Emission der beim Diesel so gefürchteten Feinst-Rußpartikel, die sich in der Lungen festsetzen, und auch keine Verunreinigungen durch Schwefel und Schwermetalle. Die Probleme der Giftigkeit, Wassergefährdung und Feuergefährlichkeit, wie sie bei herkömmlichen Kraftstoffen auftreten, gibt es beim reinen  Pflanzenöl nicht. Pflanzenöl ist nicht explosiv und schwer entflammbar. Aus ökologischer Sicht ist die Verwendung von Pflanzenöl als KFZ-Treibstoff sehr sinnvoll: Bei der Verbrennung wird nur soviel CO2 frei, wie die Pflanze während ihres Wachstumsprozesses aufgenommen hat.

 Pflanzenöl ist gespeicherte Sonnenenergie, kann dezentral vor Ort mit einfachen Schneckenölpressen mit geringem Energieaufwand erzeugt werden. Somit erspart man sich auch lange gefährliche Transporte. Der Gesamt-Energiebedarf zur Herstellung von pflanzlichen Ölen  liegt weit niedriger als bei der Benzin- und Dieselherstellung. Das Nebenprodukt der Pflanzenölerzeugung, der Öl- oder Preßkuchen, ist ein hochwertiger Eiweiß- und Energieträger, der in der Tierfütterung Verwendung findet, besonders seit der BSE-Krise, da EU-weit ein Tiermehl-Fütterungsverbot besteht und diese hochwertigen Eiweißträger oft teuer importiert werden müssen (Soja ist oft gentechnisch verändert).

Ein weiterer erwünschter Effekt ist, daß Arbeitsplätze in der Region gesichert und neue geschaffen werden.  Es ist doch paradox, daß in der EU einerseits Flächenstillegungsprämien wegen der Überproduktion in der Landwirtschaft bezahlt, und andererseits Milliardenbeträge für den Import klimaschädigender fossiler Brennstoffe ausgegeben werden. Das Flächenangebot und die Subventionierungsproblematik werden sich mit der EU-Osterweiterung noch verstärken, wenn Staaten wie Polen und Ungarn ihre riesigen Agrarflächen einbringen.

Wie es funktioniert

Heute fahren schon einige tausend Fahrzeuge allein in Deutschland mit Pflanzenöl. Pflanzenöl ist zu einem günstigeren Preis als konventioneller Kraftstoff erhältlich, in Deutschland seit kurzem auch steuerbefreit, und der Preis ist seit langen Jahren stabil, sodaß sich die Investition auch finanziell rentiert. Ein Nachteil ist die Tatsache, daß es noch kaum Tankstellen für Pflanzenöl gibt, ein Vorratsbehälter mit Pumpe für zu Hause ist nötig, wird jedoch günstig angeboten (etwas über 100 Euro). Grundsätzlich kann man alle kalt gepreßten Pflanzenölsorten tanken, wichtig ist jedoch, daß die Öle bestimmte Standards mit Blick auf Sauberkeit und Fließbarkeit erfüllen. Altöle und Speisefette sind als Treibstoff ungeeignet. Die Literpreise unterscheiden sich zwischen den verschiedenen Pflanzenölsorten stark. Die für unsere Breiten gängigen und billigsten Pflanzenöle sind Sonnenblumen- und insbesondere Rapsöl. Wenn einem der Sprit unterwegs einmal knapp wird, ist das kein Problem, da sich normaler Dieseltreibstoff in jedem Mischverhältnis dazutanken läßt. Der Volumensverbrauch und die Leistungscharakteristika sind bei beiden Kraftstoffen annähernd gleich.

Man kann zwischen einem 1-Tank und ein 2-Tank-System wählen: Beim Eintanksystem befindet sich der Kraftstoff für den Motor in einem einzigen Tank, und bei tieferen Temperaturen werden Dieselanteile zum Pflanzenöl zugemischt. Beim Zweitanksystem wird der Motor aus einem separaten Dieseltank gestartet, warmgefahren und dann auf den Pflanzenöltank umgeschaltet, das heißt aber, daß man im Winter einige Kilometer vor einem längeren Abstellen des Motors wieder auf Diesel umschalten muß, damit beim Starten wieder Diesel in der Leitung ist.

Mit einer Umrüstung können fast alle Dieselfahrzeuge für den Betrieb mit Pflanzenöl tauglich gemacht werden. Je nach dem, ob man die Umrüstung selbst vornimmt oder durchführen läßt, kostet diese bei der Firma Elsbett in Bayern zwischen 600 und 1.500 Euro für PKWs. Auch für LKWs und Traktoren sind Umrüstsets erhältlich. Auch in Österreich werden steuerlich geförderte Umrüstungen angeboten (siehe Anhang). Wolfgang Löser, ein Kenner der Szene, meint, daß die Firma Elsbett hat durch ihre jahrzehntelange Erfahrung die technisch ausgereiftesten und dadurch auch kostengünstigsten Umrüstlösungen für fast alle Dieselmotoren habe, bei denen der Motor bei der Umrüstung nicht zerlegt werden müsse.

Warum ist Pflanzenöl als Treibstoff noch so unbekannt?

In Österreich besteht die Möglichkeit, nur 10% bis 15% des Erdöles durch Pflanzenöl zu ersetzen, da in unseren Klimazonen nur Ölerträge von 1.000 Liter pro Hektar möglich sind. Global gesehen sind die Möglichkeiten anders. So liefert die afrikanische Ölpalme 10.000 Liter Pflanzenöl pro Hektar. Nur 12% der Fläche Afrikas würde ausreichen um den weltweiten Erdölbedarf zu ersetzen.

Wenn es so gut ist und so einfach geht, warum ist der Treibstoff  Pflanzenöl dann in der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt? Hochwertiges Pflanzenöl kann direkt am Bauernhof mit einfachen Mitteln hergestellt  und auch dort verkauft werden.  Das bedeutet aber auch, daß keine zwischen Rohstoffproduzenten und Konsumenten eingelagerte Großindustrie ihre Profite machen kann. Es bedeutet auch, daß die "Notwendigkeit" zum Führen von Kriegen um knappe Rohstoffe in fernen Ländern langfristig geringer werden würde, und damit auch weniger Einfluß und Profit für militärische Macht und Rüstungskonzerne.

In der Öffentlichkeit scheinen  die großen Ölmultis die  Entwicklung dieser Technik zu ignorieren. Tatsächlich wissen sie genau, daß das Zeitalter der fossilen Rohstoffe zu Ende geht. Die Zukunft der Rohstoffe für die Energiebereitstellung als auch für die chemische Industrie liegt in der Landwirtschaft. Wie sonst wäre es erklärlich, daß allein die Konzerne BP und Shell bereits 10% der landwirtschaftlichen Flächen in der ehemaligen DDR aufgekauft haben? [1] Lichtet sich nun der Nebel in unserer Vorstellung, was sich nach der EU-Osterweiterung und der schon vorhergesagten "Strukturbereinigung" in der dortigen kleinstrukturierten Landwirtschaft abspielen wird?!  Wir sollten uns vorsehen, daß das Bauernsterben bei uns und anderswo nicht so weitergeht wie bisher. Sonst könnte es sein, daß wir eine großartige Chance versäumen und eines Tages ein böses Erwachen darüber haben, daß wir von einem Rohstoffmonopol in ein neues geraten sind.

Christiane Schmutterer
(Neue Argumente Ausgabe 98, 10/2003)
 
[1] Mündliche Information von Josef Meisl, Direktor  der Landwirtschaftl. Fachschule in Tulln, an Stefan Micko

Informationen:

biotrieb – Verein zur Förderung erneuerbarer Energien 
Ing. Robert Hanke, Tel:0043/699 1234 20 44
E-Mail: hanke@biotrieb.org
www.biotrieb.org

Informationen und Umrüstungen

ELSBETT Technologie GmbH
Weißenburger Str. 15, D-91177 Thalmässing
+49 (0) 9173 779 40  +49 (0) 9173 779 42
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Adolf Figl
Raiffeisen Lagerhaus Hollabrunn-Horn
Aspersdorferstr. 13, 2020 Hollabrunn
Tel. 02952 500 213, 0676 860 71 214
adolf.figl@utanet.at

WALDLAND-VWP  Pflanzenöltechnologieentwicklungsges.m.b.H. 
Autofahren mit Salatöl als Treibstoff - der grüne Tiger im Tank! Oberwaltenreith 10
A-3533 Friedersbach
www.pflanzenoel-motor.at 
info@pflanzenoel-motor.at

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(Artikel von Prof . Schrimpf, Fachhochschule Weihenstephan)

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